Wohltuende Folgen zerbrochener Köpfe

von Werner Wintersteiner (Zentrum für Friedensforschung/Alpen-Adria-Universität)

Wohltuende Folgen zerbrochener Köpfe
Wir wissen es angeblich aus zahlreichen Umfragen: Die Bevölkerung ist ausländerfeindlich, EU-skeptisch und will mit Fremden nichts zu tun haben. Die Jugend von heute widerum ist unpolitisch, selbstsüchtig und sucht nur die eigene Unterhaltung. Wer aber Initiativen wie die von VOBIS kennt, wird sich wohl ein differenzierteres Bild von der Wirklichkeit machen.
Da kommen ein paar Studierende der Uni Klagenfurt auf die Idee, AsylwerberInnen in Kärnten gratis Deutschunterricht zu geben, aus eigenem Antrieb, und unter Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten. Mehr noch: Sie erreichen, dass diese Arbeit als Praktikum bei der Deutsch-als-Fremdsprache-Ausbildung angerechnet wird; ausgehend von den ersten Erfolgen ihres Pilotprojekts ziehen sie ein Betreuungsnetzwerk in ganz Kärnten auf, gründen einen Verein, eröffnen eine Website und geben nun sogar eine Zeitschrift heraus.

Wie es zu dieser Initiative gekommen ist? „Ich zerbreche mir immer wieder den Kopf über den Rassismus und die Intoleranz in unserem Land, über die sozial Schwachen und insbesondere über die Flüchtlinge ...", schreibt eine der Protagonistinnen von VOBIS. Und ihre Antwort auf diese Situation? Das eigene fachliche Wissen einzusetzen, um soziale Veränderungen zu erreichen!

In dieser Aktivität zeigt sich – und das ist bemerkenswert – die praktische Realisierung eines Bildungsideals: Was Bildung erreichen will, ist, die Menschen zu befähigen, ihr Wissen und ihre Kenntnisse in den Dienst des Gemeinwohls zu stellen. VOBIS ist ein anschauliches Beispiel für gelebte Solidarität, für praktische Friedensarbeit mit professionellen Mitteln, ein Beitrag zum Zusammenleben in einer globalisierten Welt, in der Integration immer wichtiger wird. Natürlich ist ihre Unterrichtstätigkeit für die Studierenden auch eine Lernerfahrung: Sie erwerben nicht nur ganz praktische Kompetenzen als SprachlehrerInnen, sie lernen auch enorm viel über die Lebensverhältnisse im Lande.

Wenn sich jemand den Kopf zerbricht und so etwas Großartiges herauskommt, dann kann man sich nur noch viel mehr zerbrochene Köpfe wünschen. Und natürlich auch, dass das Beispiel Schule macht und Sie als Leserin oder Leser dieser Zeitschrift sich möglichst an der Initiative beteiligen, sie unterstützen und fördern!