Eindrücke aus Radenthein

Eindrücke aus Radenthein
Der Deutsch-Unterricht für erwachsene AsylwerberInnen begann in Radenthein, genauer gesagt damals in Döbriach, schon lange vor VOBIS und hat demnach seine eigene Geschichte. Praxisbericht von Veronika Kapeller
Maria Gruber, Deutschlehrerin für Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache, fiel im Jahr 2000 ein massives Problem auf. Sie gab im Rahmen ihres Lehrerinnenn-Auftrages 20 vorwiegend tschetschenischen Kindern Deutschunterricht. Nun, die Kinder lernten mit grossem Eifer die neue Sprache. Jedoch sie konnte sich mit deren Eltern nicht unterhalten, geschweige denn, mit ihnen die schulischen Probleme der Kinder bereden, denn sie sprachen ausnahmslos kein Deutsch ...

Was tun? Maria Gruber rief die Eltern zum Deutschunterrich – und sie kamen. 2008 nun „kam" der Verein VOBIS durch die Deutsch-als-Fremdsprache-Studentin Eva-Maria Hasslacher nach Radenthein. In der Zwischenzeit waren AsylwerberInnen in der Pension Haus Staber eingezogen. Denen wurde durch den Verein VOBIS Deutschunterricht angeboten. Maria Gruber sagt selbst: „Ich habe mich beim Verien VOBIS in Radenthein eingeklinkt."

Durch die Lehrerin Maria Gruber, die bereits die schulpflichtigen Kinder der AsylwerberInnen in der Volks- und in der Hauptschule in Radenthein unterrichtete, war die Verbindung zur Schule geknüpft. Der Direktor der Volksschule, Herr Richard Pertl, stand dem Projekt „Deutschunterricht für AsylwerberInnen" sofort aufgeschlossen gegenüber. Durch seine und Frau Grubers Initiative war es möglich, dass von Beginn an und bis heute diese Form des Deutschunterrichtes in einem öffentlichen Gebäude durchgeführt werden konnte und kann.

Ich persönlich finde es außerordentlich entgegenkommend, dass der Unterricht in einer Schule stattfinden kann, denn es stehen Tafeln und Schulbänke zur Verfügung. Findet doch der Unterricht für Erwachsene statt, so ist es trotzdem ungemein erleichternd z.B. eine Schultafel benützen zu können. Außerdem hat für mich der Unterricht in einem öffentlichen Gebäude eben auch diese Wirkung: öffentlich! Wir machen unsere Arbeit nicht versteckt, verborgen hinter irgendwelchen geheimnisvollen Mauern.

Unser Team aus ehrenamtlich Unterrichtenden sind folgende Frauen: Maria Gruber, Eva-Maria Haslacher, Frieda Burgstaller, Christa Pinter, Renate Berger und Veronika Kapeller. Wir sind ein gutes Team und arbeiten gerne zusammen!

Wer sind nun unsere Schüler? Ja, Schüler, denn Schülerinnen waren in Radenthein bis jetzt nur eine Ausnahme. Vowiegend junge Männer, der Jüngste ist 16, der Älteste Mitte 30. Der Bildungsstand ist unterschiedlich, was ich jedoch feststelle ist, dass durchwegs Bildung vorhanden ist. Die Männer, die bei uns in den Klassen sitzen, schreiben und lesen ohne grosse Mühe unser Alphabet. Haben Sie schon einmal erlebt, dass durchschnittliche MitteleuropäerInnen arabische Schriftzeichen lesen konnten?

Nun, warum arabische Schriftzeichen? Die lernwilligen Schüler kommen nämlich zu einem großen Teil aus Ländern wo die arabische Schrift gebräuchlich ist. Das heisst nicht, dass sie arabisch sprechend sind. Nein, z.B. im Iran und in Afghanistan ist Farsi, neben anderen Stammesprachen, die Schriftsprache. Manche von ihnen waren Studenten oder sind Absolventen einer Uni und sprechen natürlich auch Englisch.

Die Schicksale nachzuvollziehen, die diese jungen Menschen hinter sich haben bis sie es zu uns nach Österreich schaffen, ist kaum möglich, denn das herauszufinden ist die Aufgabe anderer Menschen. Aber erahnen lässt sich manches, kaum Vorstellbares, wenn ich im Deutschunterricht die Phrase: "Wie geht es Ihnen?" - „Danke, mir geht es gut!" durchnehme und ein junger Mann mich traurig ansieht und nur den Kof schüttelt ...

Wir sind es gerne - ehrenamtlich Unterrichtende für Asylwerber, und ich bin sicher, dass das ganz im Sinne meiner Kolleginnen geschrieben ist.