Störungen sind Herausforderungen

Störungen sind Herausforderungen
Andrea Urban hat im Frühjahr 2009 bei VOBIS hospitiert und in der Pension Miklau in Kühnsdorf ihre Erfahrungen gesammelt.
Hier ein Auszug aus ihrem Hospitationsbericht:

(...) Die Hospitation hat mir gezeigt, dass sich Organisation und Ablauf der VOBIS-Kurse in einigen Punkten wesentlich von anderen Sprachkursen unterscheiden. Da alles auf freiwilliger Basis stattfindet, muss man als Lehrender oft mit unvorhergesehenen Störungen rechnen (z. B. jemand kann nicht teilnehmen, da eines Kind krank ist und Ruhe braucht), die den Unterricht beeinflussen können. Im Grunde glaube ich, dass diese Störungen für die Lehrenden auch eine Art Herausforderung sein können, die zwar ein großes Maß an Flexibilität verlangen, aber das Unterrichten auch spannender machen.

Bezeichnend für den von mir besuchten Unterricht war, dass der Umgang der Lehrenden mit den Schülern ein ganz persönlicher war. Darüber hinaus konnte sich aufgrund der geringen Teilnehmerzahl und der familiären Atmosphäre ein tolles Arbeitsklima entwickeln. Aufgefallen ist mir auch, dass es bei diesen Kursen zwar um Spracherwerb geht, aber noch andere Dinge von großer Bedeutung sind. Ganz oben steht, so war zumindest mein Eindruck, die zwischenmenschliche Ebene. So versuchten die Lehrenden stets durch verschiedene Übungen und Aktivitäten persönliche Kontakte zu den Lernern herzustellen und die Freude am Umgang mit Sprache und der Arbeit mit anderen zu wecken. In meinen Augen geht es somit in erster Linie um Kulturaustausch und Annäherung durch Sprache (so ähnlich ist ja auch das Motto von VOBIS). Natürlich stehen nicht ausschließlich diese sozialen Aspekte im Mittelpunkt. Im Unterricht versuchte jeder Lehrer das von ihm gesetzte Lernziel zu erreichen, doch hatte ich das Gefühl, dass diese sprachlichen Ziele im Vergleich zu anderen (vielleicht universitären) Kursen einen ganz anderen Stellenwert genießen. (...)